Guten Abend
In einem ziemlichen Marathon von >5 Stunden Arbeitszeit habe ich und eine Kollegin (danke an Isabella Hollauf) den Text “Neue Arbeitsformen in der informellen und alternativen Ökonomie” zusammengefasst.
Damit ihr euch nicht alle damit plagen müsst, stellen wir euch die Zusammenfassung zur Verfügung, Ergänzung und Kommentare sind natürlich erwünscht.
Neue Arbeitsformen in der informellen und alternativen Ökonomie
3.1) Der informelle Sektor
Bezeichnung für den „Rest“ an wirtschaftlichen Aktivitäten, die nicht in die volkswi. Gesamtrechnung fallen.
- Erwerbswirtschaftlichen Sektor (Schwarzarbeit/Pfusch)
- Bedarfs/Selbstversorgungswirtsc
haftlicher Sektor
2 verschiedene Bereiche
- Schwarzarbeit, Scharmarkt
- Nachbarschaftshilfe
Die Schwierigkeit besteht in der Abgrenzung der beiden Bereiche. Kritische Autoren verwenden hierbei den Begriff „autonomer Sektor“, während andere den Begriff informelle Ökonomie/Sektor verwenden.
Für den Bereich wirtschaftlich relevanter Prozesse sind alle Tätigkeiten bezogen, die sich auf die offizielle Wirtschaft beziehen (Verursachung von Kosten, Gewinnentgang,)
Die Bezeichnung autonomer Sektor bezieht sich auf Kriterien der Unabhängigkeit/Selbstbestimmthe
Die Gegenökonomie/Alternativökonomi
- Die wichtige Bezeichnung Schattenwirtschaft ist für alle nicht-legal organisierten produktiven Tätigkeiten relevant, dieser Bereich ist auch wissenschaftlich eine Dunkelzone, über die nur wenig bekannt ist.
- Hierbei wird die statistische Unsichtbarkeit (als Kriterium des ganzen Sektors) als einzig gemeinsamer Faktor genannt. Andere Themen, wie Illegalität, Wertorientierungen, Nicht-Geldwirtschaft, andere vermittelte Leistungen sind jeweils unterschiedlich ausgeprägt (je nach Sektor der Schattenwirtschaft, z.B. Schwarzarbeit/Haushaltsprodukti
- Kernelemente der alternativökonomischen Tradition:
1. Selbstverwaltung
- (Kommunismus; außerdem relevant: Genossenschaftsbewegung)
Alternative Unternehmen stehen Kapitalismus/Industriesystem negativ/ablehnend gegenüber
→ Selbstverwaltungsidee
2. Keine Organisation in der Alternativökonomie
- (sondern eine Reihe von einzelnen betrieblichen Projekten; nur in theoretischen Entwürfen ist die Gegenökonomie einheitlich, in der Realität gibt es jedoch keine systematisch organisierte Gegenökonomie)
Entstehung der alternativökonomie selten bewusst, sondern meist als Folge einer Krise
3. Selbsthilfe (durch Gründungen alternativer Betriebe)
- zB: selb-employment (Personen, die zugleich Unternehmer und Arbeiter sind)
- Entstehung weil Krise → Arbeitslosigkeit
oft passiert es, dass alternativökonomie mit der zeit in der offiziellen marktwirtschaft intergriert wird (zB Naturkostläden)
4. Formale Merkmale:
a) gemeinsames Eigentum von Produktionsmitteln
b) aufgehobene Arbeitsteilung
Folgen bzw. Ziele der Alternativökologie
Aufhebung der:
-
- Trennung in abhänigge und selbstständige Arbeit
- Spaltung zw. Person un Arbeitskraft/Funktion
- Spaltung zw. Käufer und Verkäufer der Arbeitskraft
- Spaltung zw. Produktion und Konsum
- Spaltung zw. Arbeitszeit und Freizeit
- Spaltung zw. Arbeits- und Privatsphäre
- Spaltung zw. Männer- und Frauenarbeit
Gründe für das Wachstum des informellen Sektors
- Effizienzvorteil (informelle Leistung höher wird oft höher eingeschätzt)
- Verschiebung unprofitabler Tätigkeiten vom formellen in den informellen Sektor (alles, was in der normalen Wirtschaft nicht profitabel genug ist, wird ausgelagert in die Schwarzarbeit)
- Selbsthilfe (bei Wirtschafskrisen entstehen neue informelle Arbeiten)
- Wertewandel (zB: Präferenz der nicht-fremdbestimmte Arbeit →Eigenarbeit als Trend der Zeit)
- Dualismus der Arbeitswelt →Regulationskrise (Eine Interpretation der Vertreter dualer Arbeitsmarkttheorien: Privilegierter/unpriveligierter Bereich)
→ ergibt sich durch einen „Dualismus der Arbeitswelt“.
dualismus ist in dem fall, dass:
- formell = positiv (privilegierter Bereich)
-
- informell = negativ (unpriveligierter Bereich)
- gegenteil ist:
- formell ist positiv
- autonom ist positiv
Wachstum des informellen Sektors kann nicht empirisch belegt werden, da die Differenzierung zwischen den Sektoren schwer ist. Eventuelle Alternative zur Analyse der Sektoren ist der Vergleich/Analyse der Arbeitsformen.
Eigenarbeit
Möglichkeiten der Eigenarbeit
- Eigenarbeit im/für den privaten Haushalt
- Schwarzarbeit (illegale Nebenbeschäftigung, z.B. Nachhilfelehrer)
- Explizit alternative Wirtschaftsformen
Achtung!
Oft kommt es zum Missverständinis / Vorurteil, dass
- Informelle Arbeit ausschließlich besser und humaner als formelle Arbeit ist, nur weil sie nicht zum offiziellen Teil der Wirtschaft gehört.
Gegenteil ist allerdings häufiger der Fall:
Das „Risiko“ des informellen Sektors liegt zum Beispiel in der Möglichkeit der Ausbeutung (bis zum Menschenhandel). Eigenarbeit ist deshalb nicht als Selbstverwirklichung zu sehen.
Konsumarbeit/Industriesystem
Arbeit = Außerhäusliche Tätigkeit
Konsumsphäre = der Haushalt
Hoher Grad der Technisierung der Haushalte:
Dienstleistungen (Wäsche wird von Magd gewaschen) ersetzt durch Güter (Wäsche wird von Waschmaschine geswaschen), die Eigenarbeit voraussetzen →es kommt zu einer Self-Service Tätigkeit →“Selbstbedienungsgesellschaft“ [J. Gershuny ]
J. Gershuny kritisiert aus diesem Grund Daniel Bells Begriff der „Dienstleistungsgesselschaft“
- Kritikpunkte:
-
- Trend der Gesellschaft zur Rationalität (zB: Einsetzen von Technick statt Arbeitskraft)
- Trend zur Präferenz für eigene Leistungen (zB: selber Brot backen, weil es originell ist)
- Trend für private Orientierung der Haushalte (zB im Familienleben: Menschlichkeit/Gemütlichkeit ist wichtiger als Produktivität, dadurch Produktivität herabgesetzt)
Merkmal des aktuellen Trends:
Neues Interesse an der Eigenarbeit bei „männliche“ Arbeiten.
Der Begriff wird hier vor allem auf Konsumarbeit/Eigenarbeit gelenkt und nicht auf den Begriff der Hausarbeit. Hierzu zählt zum Beispiel die informelle Arbeit für Selbstversorgung/Hobby.
Untersuchung von Jessen→ Komplementarität von Lohnarbeit und informeller Arbeit
Das heißt:
Je mehr z.B. die Landwirtschaft vom formellen Sektor verdrängt wird, desto beliebter wird z.B. Gartenarbeit als Hobby im informellen Sektor. (komplementarität = Ergänzung)
Ein weiterer Aspekt ist daher die Ersetzung von sozialer Beziehung durch Waren/Dienstleistungen. (Die neuen Eigenarbeiten mit Erwerb hochtechnisierter Geräte verbunden → Reparaturangebote notwendig (zB: Kundendienst) → Hilfe und Ratschläge von Verwandten und Nachbarn überflüssig)
Je nach Milieu variiert die Verteilung von informeller Arbeit stark. Ländliche Milieus sind hierbei stark bevorzugt in einigen Aspekten (=Hausbau, Haltung von Tieren), während städtische Industriearbeiter andere Tätigkeiten/Aktivitäten verrichten (=Pflege PKW, Ausstattung Hauhaltsgeräte).
Die Marktökonomie und das Prinzip von Angebot und Nachfrage spielen durchaus eine Rolle im informellen Sektor. Wechselwirkung informeller – formeller Sektor. (auch formeller Sektor reagiert auf die Nachfrage des informellen Sektors)
Der Begriff „Konsumarbeit“ bezieht sich hier auf die Notwendigkeit von Do-It Yourself Leistungen, z.B. den Zusammenbau von Produkten (Bernward Joerges).
- 2 seiten fehlen im Text, Inhalt ???
Hausarbeit
Mittlerweile beschäftigen sich einige Studien (Sozialwissenschaftler) mit der Hausarbeit, bzw. mit der Einstellung zur Hausarbeit.
1) 70er Jahre: Einstellung der Frau zur Hausarbeit → Identifikation mit Hausfrauenrolle sehr hoch
nzwischen: negative Einstellung→ langweilig, mühsahm
- 2) Studie von Ann Oakley
Frauen in der Unterschicht → Idendifikation mit Hausfrauenrolle
Frauen in der Mittelschicht → Distanzierung gegenüber Hausfrauenrolle
- 3) Abhängig vom ausgeübten Beruf; Hausfrauen, die einen „besseren“ Beruf hatten, sahen sich nur als „Hausfrauen auf Zeit“ (im Gegensatzt zu Frauen die auf „Lebenszeit“ Hausfrauen sind)
Hausarbeit unterteilt sich in:
1. materielle Hausarbeit
2. Beziehungsarbeit
Deshalb Vorschlag: statt „Hausarbeit“ der Begriff „Familienarbeit“
Verhältnis Hausarbeit-Berufsarbeit:
wechselseitige Konzentration zwischen Hausarbeit/Berufsarbeit.
Missverständnis: Familienarbeit ist nicht die Restgröße (Ergänzung zum Beruf)
denn nicht nur die Berufsarbeit ist gesellschaftlich notwendig, sondern auch die Familienarbeit, beides ist also gleichwertig →daher Überlegungen zum Zeitverständniss unserer Gesellschaft
Zeit als Begriff
Das Zeitverständnis hat sich von zyklischen Abläufen
in ein lineares Zeitverständnis gewandelt.
- vorindustrielles Zeitverständnis; zyklisch (=wiederholend)
- durch industrielle Entwicklung; linear →Pfeil in eine Richtung
Die Präzision der Zeit wird hierbei immer exakter, Pünktlichkeit, Geschwindigkeit, Genauigkeit werden immer kleiner gemessen.
Die industrielle Zeit (geprägt durch unbegrenzte Zukunftsorientiertheit; zB: Uhrzeit) zwingt hierbei dem Menschen (geprägt durch Begrenzung Tod; →Lebenslauf) eine Perspektive auf, die ihn zum Teil eines Systems macht.
Zeit zum Beispiel wird in Geldgrößen umgerechnet. →Arbeitskraft/Arbeitszeit
Die Arbeitszeit regelt hier auch die arbeitsfreie (non-work) Zeit, daher ist das time Management immer wichtiger.
Zeitbegriff ist kulturell bedingt und hat sich nicht aus der Industrialisierung herausentwickelt. Beweis:
Im Gegensatz zu Europa gibt es z.B. in Japan ein anderes Modell, dass die Koexistenz Menschen-Zeit und industrielle Zeit besser zulässt, bzw. wird dort die Zeit anders gesehen, die Unternehmensführung der Großbetriebe funktioniert hierbei anders.
Arbeitszeitsystem
Da die Maschinenzeit wichtig ist, wollte man auch den Arbeiter ähnlich der Maschine nützen und optimieren.
In vorindustrielle Gesellschaft waren Wohn- und Arbeitsort identisch.
Die Entwicklung ist in der frühindustriellen Gesellschaft
→ Trennung Wohnort/Arbeitsort →strikte Unterscheidung/Abgrenzung von Arbeitstätigkeit und Nicht-Arbeitstätigkeit →Begriff der „Arbeitszeit“ und Einführung des langen Arbeitstags (anfangs verbunden mit Ausbeutung der Arbeiter)
Normalarbeitstag: (Entwicklung vom langen Arbeitstag zum Normalarbeitstag)
Normalarbeitstag = gesetztliche Beschränkung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit →Arbeitszeitschutz
Einführung „Normalarbeitstag“: Der Grund für die Reduktion der Arbeitszeiten war (nicht die Ausbeutung der Arbeiter sondern) die Arbeitslosigkeit. → durch Normalarbeitstag Verteilung der Arbeit auf mehr Arbeiter (Reduktion der Arbeitslosigkeit).
Der Normalarbeitstag (etwa 1912) entwickelt sich von 11 Stunden pro Tag zum
8-Stunden-Tag (1918/1919) → wurde in den meisten Ländern eingeführt.
Durch Arbeitsverkürzungen wurde die Arbeitswoche weiter verkürzt und dies führte zur Entstehung des Wochenendes.
Vorindustrielle Gesellschaft: Zeitlich keine Festlegung der Arbeitszeit; kein „Arbeitstag“
Frühindustrielle Gesellschaft: langer Arbeitstag; Ausbeutung der Arbeiter
Industrielle Gesellschaft: Arbeitszeitschutz; Einführung Normalarbeitstag → Einführung 8-Stunden-Tag → Einführung Wochenende
Kennzeichen der Arbeitszeitstruktur:
- Umrechnung von Zeiteinheiten in Lohn- bzw. Kosteneinheiten
- Arbeitszeitschutz
- Kollektive Regelung (Gesetliche Festlegung, verankerte Rechte und Pflichten)
ad 3: kollegtive Aushandlung der Arbeitszeit; Entwicklung:
- zuerst durch Staat: Einführung Normalarbeitstag
- durch Interessensgruppen/Gewerkschaften:
a) Einzelne Gruppen setzten Arbeitszeitreduktion durch; zur Folge hatte dies, dass nach und nach eine allgemeinen Arbeitszeitverkürzung stattfand
b) Weiterer Einbruch in die Rechte der Aushandlung/Festlegung von Arbeitszeit durch die Durchsetzung der →„Freien Arbeitszeitgestaltung“ (beschränkte Möglichkeit, mehr, vor allem aber wniger oder diskontinuierlich zu arbeiten)
→Trennung Teilzeitarbeiter/Vollzeitarbeit
Problem: sozialversicherungsrechtliche Gegebenheiten; Unterbrechung der Arbeitszeit hat Nachteile →Diskiminierung der Teilzeitarbeiter
- „job-sharing“
ursprünglich: Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit
heute: beliebt bei wirtschaftlichen Rationalisierungsmaßnahmen →werden gerechtfertig durch den Vorwand der Arbeitszeitverkürzung →Begründung: es entstehen durch „job-sharing“ weniger ArbeitsloseProblem:
→aber kollektive Entscheidungen → letztendlich betrifft die Verkürzung der Arbeitszeit alle, auch jene Betriebe die nicht rationalisiert haben, (alle übrigen Betriebe somit zur Rationalisierung gezwungen)
Arbeitszeitverkürzung zwar nur in wenigen Bereichen
Als Alternative ist hierbei die Vielfalt an Arbeitszeiteinteilung aufgrund vieler Berufe (Apotheken, Spitäler) zu beachten.
Auch Praktiken wie Arbeitszeitmanipulation (Schichten tauschen, Kollegen springen ein,..) sind hierbei zu beachten. All dies sind Taktiken von Organisation von Arbeitszeit.
Temporale Kontrolle und Arbeitszufriedenheit
Durch die Technologisierung der Arbeit und der Kontrolle (soziale Kontrolle > zeitliche Kontrolle) und der Organisation der Arbeit verschieben sich auch die Bedingungen für den Arbeiter.
Verkürzung der Arbeitszeit → Intensivierung der Arbeit: Das Tempo der Arbeit wird erhöht und intensiviert. Die Bemühung geht daher in die Richtung, Zeit zu gewinnen/einzusparen und damit Steigerungen der Produktivität zu erzielen.
→ durch Planung, Organisation und Zeitökonomie
In Relation dazu steigen jedoch alternativ die Ansprüche (der Arbeitenden) auf die Freizeitwerte und die familiären Verpflichtungen. Gelegentliche Reaktion des Ausbrechens, Rückzug… machen die Gesellschaft wieder erträglich, leider wird dieses Bedürfnis negativ besetzt und selbst nicht eingestanden. Hierbei kann eine Krankheit ausgelöst werden, da das Bedürfnis nach Gemeinschaft/Gesellschaft außerhalb der Arbeit eingeschränkt ist.
→Absentismus ist die geplante Form des Rückzugs und Ausbrechens aus der Arbeitswelt (Krankheit als Möglichkeit genützt, Arbeitsleistung/Arbeitswillen aufeinander abzustimmen, bzw. den Arbeitsryhtmus wieder anzugleichen an persönliche Bedürfnisse.)
Arbeitszeit stellt in der modernen Gesellschaft keinen Teil der Lebenszeit dar und wird auch nicht als Gestaltungsmöglichkeit aufgefasst. Die Arbeitszeit wird als ökonomische Größe verstanden. (für Veränderung wäre nicht nur Umstrukturierung sondern Umdenken notwendig)
Diejenigen, die für flexiblere Arbeitszeiten sprechen werfen dem System Starrheit und Uniformität vor.
Humanisierung und Arbeitszeit
Forderung: Mehrere verschiedene Aufgaben statt einer immer gleichbleibende Aufgabe →größere Zeitautonomie notwendig (mehr Zeit für die einzelnen Aufgaben notwendig)
Eine humanere Arbeitsgestaltung ist wichtig, da das Gefühl „Zeit zu haben“ eine Vermenschlichung der Arbeit beinhaltet. Der Einschluss von Freizeit Elementen in die Arbeit bzw. die flexiblere Gestaltung/Zeiteinteilung ist hierbei ein wesentlicher Aspekt der Arbeitszufriedenheit.
Flexibilisierung der Betriebe ist technologisch bedingt → Wunsch: Arbeitszeitflexibilisierung / Arbeitszeitverkürzung
Mögliche Formen der Arbeitszeitverkürzung:
Verkürzung der
a) Lebensarbeitszeit (längere Schulpflicht, niedriges Pensionsalter)
b) jährlichen Arbeitszeit (mehr Erholung- und Bildungsurlaub)
c) Arbeitswoche/Arbeitstages (Vier-Tage-Woche; Sechs-Stunden-Tag)
Mögliche Arbeitszeitflexibilisierungen
-
- Länge der Arbeitszeit
- Verteilung der Arbeitszeit
Beispiele:
- Gleitender Berufseinstieg, Gleitender Ruhestand
- „Sabbaticals“ (=Arbeitsfreie Phasen)
- Teilzeitarbeit
- Job Sharing
- individuelle Arbeitszeitregelungen
Gefahren durch Druck der Anpassung des Personal an den Bedarf der Unternehmen:
- Auflösung der Solidarität zw. Arbeitern
- Bedrohung (Rückgang in) der Grundlage gerwerkschaftlicher Organisation (führt zu reduzierten Schutz- und Interessenvertretungsfunktionen
)
Fazit: Ohne Initiative vom Staat und Interessensverbänden ist es schwer, eine familienfreundliche Arbeitszeitflexibilität umzusetzen.
Hierbei ist die Arbeitszufriedenheit mit der Lebenszufriedenheit direkt verbunden, daher ist Arbeit/Leben als eine Einheit wichtig für die Erhöhung der Lebensqualität.
Zeitknappheit in der Freizeitgesellschaft
Faktoren:
- Setzen von Fristen (Entstehung einer Tempo-ideologie)
- Zeitbindung wird ebenfalls auf den Bereich der Freizeit übertragen (Ladenschlusszeiten ect)
- Arbeitsmarktpolitik die die Mobilität der Arbeitnehmer wünscht (Pendler)
- Nebenbeschäftigungen (verlängert Wochenarbeitszeit; Überschreitung Normalarbeitszeit)
Die Nicht Arbeitszeit wird hierbei durch andere Tätigkeit aufgebracht, die Freizeitmöglichkeiten werden zusätzlich durch Fristen (z.B. Fernsehen mit Zeiten) festgesetzt.
Für zwischenmenschliche Kontakte bleibt in den vorgefertigten Abläufen wenig Zeit. Erholung/Entspannung werden durch Mensch/Maschine Kontakte ersetzt.
Zeitkontrolle/soziale Ungleichheit
Die Arbeitszeitstrukturen spiegeln die Struktur der Gesellschaft wieder. Je weiter unten man auf der Pyramide ist, desto weniger kann man dies beeinflussen. Leistung und Arbeit werden hier über die Zeit definiert, der oberste Berufsstatus definiert sich dadurch, dass die Arbeitszeit nie zu Ende ist.
„new busy class“: Als Arbeitzeitstrukturen werden die Möglichkeiten und Einschätzung von Arbeit gesehen. Hierbei ist lange Arbeitszeit heute eher ein Faktor für hohen persönlichen/sozialen Status.
Die Selbstbestimmung der Arbeitszeit (auch wenn man mehr arbeitet) zeigt größeres Machtpotenzial. → Zeitautonomie: Arbeit richtet sich nach eigenen Zielen
Minimum an Machtpotenzieal (bei einfachen Angestellten)
-
- → Arbeitszeit ist die Zeit, in der der Arbeiter für die Ziele des Betriebes verfügbar ist.
-
- Nicht nur die Zeitautonomie hat einen wichtigen Prestigeeffekt, im Gegensatz dazu hat zum Beispiel der Arbeitslose zuviel freie Zeit.
Da die Sinnerfüllung in der Berufsarbeit gesucht wird, ist Arbeitslosigkeit mit oft zerstörerischen Folgen für die Beteiligten zu sehen. Beispiel hierfür ist die Studie zu den „Arbeitslosen von Marienthal“ (von Lazarsfeld): Zentrales Problem bei Arbeitslosigkeit: Wegfall der Zeitstruktur
Andere Studie von Marie Jahoda erklärt das Problem folgendermaßen: zeitliche Fremdbestimmtheit ist zur psychischen Notwendigkeit geworden; Etwas-Tun-Müssen ist Bestandteil der psychischen Strucktur der Menschen
Anderer Denkansatz: Oskar Negt definiert zwei Realitäten:
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- Lebenswelt (lebendige Arbeit, alternative Ökonomie)
- Erwerbssystem (tote Arbeit, von Maschinen vorgegeben)
daher: Formen des Arbeitens lässt sich wahrscheinlich in erster Linie an den Zeitvorstellungen und –strukturen erkennen
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Zeitinterdependenz (ggseitige Abhängigkeit; Zeit als Vereinbarung zw. allen Menschen)
Durch die Soziologie wird Zeit durch Handlungen ausgedrückt, die Vergangenheit und Handlungen/Zukunft miteinander verbinden.
Die Gesellschaft wird durch den Zusammenhang von Zeit-, Sach- und Sozialordnung ausgezeichnet. Wenn Zeitordnung menschliche Kontakte unmöglich macht, ist dies gegenlaufend zur Kommunikation/Handlungssystem einer Gesellschaft.
Zeit wird wichtiger als Geld, da für den Konsum in der Dienstleistungsgesellschaft viel Zeit notwendig ist, gleichzeitig ändern sich die Wertvorstellungen.
Das Zeitbewusstsein verändert sich, die freie Verfügbarkeit von Zeit (Lebensqualität) wird zunehmend wichtiger.
Das Problem der „Zeit“ macht es sinnvoll, den Zusammenhang zu überdenken, die Zeitverwendung ist jedoch immer von der jeweiligen Lebenssituation abhängig (also persönlich).
Soziologischer Begriff der Arbeit
3 Phasen
- Bedeutungshalt von Arbeit: Sozialer Status des Arbeiters als Lebenslages-Merkmal; eine „Gesellschaft von Arbeitern“ →Arbeiterstatus bestimmt Gesellschaftsstatus ( ab 19.Jahrhundert)
- Managementorientierter Arbeitsbegriff →Arbeit richtet sich nach Industriesystem, wichtige Rolle der Wissenschaft und Technologie (Planung und Organisation); Arbeitssoziologie entsteht als Disziplin
- Neues postmodernes Verständnis von Arbeit, → kritische Analysen/alternative Konzepte (Soziologie unterbreitet Veränderungsvorschläge)
Kritik am arbeitssoziologischen Begriff‘
Da die Arbeitssoziologie sich meist auf den technischen Wandel als Veränderungsfaktor bezieht, werden einige Aspekte übersehen, die sich zusätzlich ergeben.
1) Soziologie oft von Betrieben finanziert (mit großem Kapitalinteresse verbunden) und nicht von vornherein „dem Arbeiter“ nützlich.
2) Durch die Konzentration des Erkenntnisinteresses auf die technischen Fortschritte, werden weitere Faktoren, wie rechtliche, soziale oder persönlicher Art, ausgeblendet.
3) Auch die Konzentration auf die industrielle Arbeiterschaft schließt einige Gruppen aus. Dies betrifft großteils die Angestellten im Dienstleistungssektor. Auch Eigenarbeit, alternative Arbeit und weitere Aspekte werden nicht ausreichend untersucht.
4) Nicht-Thematisierung der Entstehung und Durchsetzungsbedingungen der technischer Veränderungen. Dies gilt auch für die Möglichkeiten der Beeinflussung der technischen Veränderungen.
- → Diskussion über Humanisierung sinnlos, wenn technologische Bedingungen nicht hinterfragt werden (Wenn nur Auswirkung des techn. Wandels erforscht wird, kann es nur Vorschläge zur „Anpassung des Arbeiters“ an die Technik geben und nicht umgekehrt)
Hierbei ist ebenfalls ein Problem, das die Arbeitenden als Teil des technischen Prozesses gesehen werden. Der soziale Charakter der Arbeit wird nicht erfasst.
Das Grundproblem ist in der Auffassung zu sehen, die Arbeit als privat (Sachverhalt) und nicht als gesellschaftliches Anliegen zu sehen.
Grundzüge der Arbeitswirklichkeit
Der Sozialtypus des Arbeiters ist durch vermehrtes Wachstum der Dienstleistungsgesellschaft
Kennzeichen:
I) Die Einteilung in geistige/körperliche Arbeit verschwimmt zusehends, die Belastungen verschieben sich in den nervlich-psychischen Bereich (im Gegensatz zum physischen Bereich). Stattdessen verwendet man den Begriff: sozialkommunikativen Tätigkeit als integriertem Bestandteil jeder Arbeit.
II) Mitberücksichtigung auch auf die Negativen Auswirkungen von Arbeit
- industrielle Arbeit, etwa im Zusammenhang m. Umweltzerstörung
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- Schädigung der körperliche Gesundheit
- Schädigung der geistigen Gesundheit
III) Der Arbeitsbegriff dehnt sich hierbei zusehends auch auf Bereiche wie Beziehungen, Lebensbewältigung, Gefühle ausgedehnt, die Arbeit breitet sich auf Bereiche der Kultur aus.
IV) Der Zusammenhang von Arbeit und Lebenswelt werden enger verbunden, dies ist auch in Bezug auf die Entstehung der postmodernen Arbeitswirklichkeit zu sehen.
Folgen für die Soziologie
Der Begriff von Arbeit und die soziologische Reflexionsgrundlage sind im Wandel. Die Eckpfeiler wie technischer Fortschritt und Arbeiterklasse verlieren hierbei als Bedeutung.
Der Charakter der Arbeit wird verstärkt als in Verbindung mit sozialen Beziehungen gesehen.
Die Perspektive der Arbeitsteilung und Kontrolle weitet sich hier auf eine Sichtweise aus, die auf Kooperation und Kommunikation abzielt.
Die Soziologie/Arbeitssoziologie muss:
- Lebenswelt zusätzlich berücksichtigen.kann sich nun nicht mehr auf die Probleme der Arbeitswelt allein konzentrieren sondern
- sich an einzigartige Situationen wagen und als postmoderne Soziologie sich als Dimension einer kommunikativ orientierten sozialen Wirklichkeit wagen.
- zusätzlich auch sich selbst reflektieren, die Arbeit hat sich als Grundtatsache des Lebens in seinen jeweiligen gesellschaftlichen Voraussetzungen und subjektiven Bedingungen entwickelt.
hallo